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Tortour 2015

Zuerst möchte ich mich ganz herzlich bei allen für die riesige Unterstützung während dem Rennen bedanken, es hat mich sehr motiviert und ich nehme dass auch als ein Dankeschön für die geleistete Arbeit beim TCZ.
Nachfolgend möchte ich Euch kurz darlegen wie ich das Projekt Tortour 2015 geplant und gefahren habe, damit Ich Euch ein paar Hilfen für Eure eigenen Aktivitäten mitgeben kann.
Vorbereitung Tortour 2015:
Nachdem ich die Tortour 2x im 4er und 2x im 2er Team gefahren bin, setzte sich langsam die Idee im Kopf fest es alleine zu versuchen. Als Test und um Erfahrung zu sammeln nahm ich an der Tortour in Mallorca (500km) im Oktober 2014 Teil, und entschied danach es zu versuchen da ich trotz einem Einbruch nach 250 km das Rennen im guten 5ten Rang beenden konnte.
Für den 1 Dezember 2014 meldete ich mich in der Schulthessklinik für einen Laktatstufentest an, um meine Leistungsfähigkeit zu testen und Schlüsse für meine weitere Trainingsplanung zu ziehen. Ich fing Mitte November nach 3 Wochen Pause an zu trainieren um schon ein bisschen im Schuss für den Laktatstufentest zu sein. Die Testergebnisse waren katastrophal schlecht, obwohl ich meiner Meinung nach ausgeruht zum Test erschien war mein Ruhelaktat schon viel zu hoch was darauf hindeutete das meine 2 Wochen Training im November um in Schuss zu kommen viel zu hart waren und die 3 Wochen Pause davor wahrscheinlich zu kurz. Außerdem war ich fähig während dem Test meine Laktatwerte in den Himmel zu schießen obwohl sie doch so niedrig wie möglich bleiben sollten, auf gut Deutsch übersetzt, ich war ein hochfrisierter Benziner und musste mich jetzt in einen langsamen Diesel verwandeln. Möglich wird dies nur durch intensives Grundlagentraining!!!!
Da ich ab Januar 2015 nur noch 80 % arbeitete, wollte ich die zusätzliche Zeit nutzen um einmal im Monat in den kalten Wintermonaten ins Trainingslager zu gehen, über Weihnachten war ich 12 Tage auf Fuerteventura, im Februar auf Zypern im März auf Mallorca, Ostern im Tessin und ende April im TCZ Trainingslager. Bis vor dem TCZ-Trainingslager radelte ich zu 98% im GA1 Bereich ( max. HF 125).
Vor dem TCZ-Trainingslager führte ich einen zweiten Laktattest durch und der verlief schon um einiges besser, meine HF war bei gleicher Leistung 10 Schläge tiefer als beim ersten Test und mein Laktatlevel erreichte erst bei 150 Pulsschlägen die Höhe die ich beim ersten Test schon im Ruhelaktat hatte. Neu war mein max. GA1 Bereich bei HF 120, für die zweite Phase bis zum Rennen wollte ich zusätzlich zirka 20 % im GA2 Bereich (HF120-135) und Entwicklungsbereich (HF135-145) trainieren. Für die zweite Phase änderte ich mein Trainingssystem indem ich an meinem zusätzlichen freien Tag auf lange Ausfahrten (250 - 350 km) setzte statt auf einwöchige Trainingslager, mit einer Ausnahme von einer Woche Bergtraining im Bündnerland bei Sonia und Claudio.
Natürlich gab es auch andere Aspekte zu berücksichtigen:
Ernährung:  Ich hatte ein zweistündiges treffen mit Samuel Mettler einem der führenden Ernährungsexperten in der Schweiz was sehr hilfreich für meine Ernährungsplanung war, auf der Tortour in Mallorca nahm ich nur Win Force Flüssignahrung hatte aber Mühe alles bis zum Schluss zu Schlucken, darum stellte ich einen mix aus Getränken und Festnahrung zusammen. Grundkonzept war dass ich pro Stunde 60-90 Gramm Kohlenhydrate zu mir nehme egal von was, mein Team alles notiert und gegebenenfalls eingreift wenn es zuwenig wird.
Material:  Ich wollte natürlich möglichst effizient unterwegs sein und entschied mich ein Triathlonrad für die flacheren Streckenabschnitte und ein Bergvelo für die Pässe zu benutzen, das Bergvelo war schon gut eingestellt, das Triathlonvelo  analysierte ich bei swissbiomechanics was mir half eine viel entspanntere Haltung einzunehmen. Außerdem führten wir eine Trittfrequenzanalyse durch was mir sehr wichtig war um effizient zu sein aber auch um von Krämpfen verschont zu bleiben.
Kraft und Gymnastiktraining:  Um möglichst lange in einer optimalen Aeroposition zu bleiben und auch sonst keine Schmerzen zu bekommen absolvierte ich in jeder Mittagspause (sofern ich im Büro war) ein Kraft und Dehnprogramm von 40 Minuten. Zusätzlich zeigte mir ein Spezialist in der Schulthess-Klinik Übungen die auf Velofahrer zugeschnitten sind (Rücken, Nacken, Schultern, Beine), die ich dann Wechselweise trainierte.
Schlaf:  Um die ganze Trainingsbelastung zu verdauen und gut zu regenerieren ist genügend Schlaf ein wichtiger Bestandteil, meine Lebensgewohnheiten waren leider 100 % gegensätzlich, aber ich besserte mich und verbannte die letzten 3 Monate sogar den Fernseher in den Keller. (Ich bin die letzten 10 Monate kein einziges mal krank geworden, was darauf hindeutet das ich alle Belastungen ziemlich gut dosiert habe).
Mentaltrainer:  Fast alle legten mir einen Mentaltrainer ans Herz, ich entschied mich dagegen in der Überzeugung noch nie was aufgegeben zu haben. Ob alleine auf dem Meer mit dem Segelboot im Sturm, auf dem bockenden Pferd das mich sicher über 100 mal in den Sand warf (ich bin immer wieder aufgesessen), auf dem Velo quer durch die USA bei starken Gegenwind mit kaputten Beinen (ich bin immer weitergefahren), beim Ironman als ich fast ins Ziel gekrochen bin (aber ich bin gekrochen). Gelernt habe ich dass alles 20 Jahre lang wegen meinem Zwillingsbruder der überall viel talentierter war aber doch nie besser denn ich habe immer gekämpft um mitzuhalten und nie aufgegeben.
Team:  Beim wichtigsten von allem dem Team habe ich die besten Karten, denn wer verfügt schon über so eine geballte Erfahrung wie unser Team mit 4 Tortourteilnahmen ob als Athlet oder als Betreuer.
Milena, Sonia, Rene, Chili und Thomas vielen vielen Dank für Euren Einsatz und Unterstützung bei der Tortour 2015.
Der Wettkampf:
Ich versuche euch Chronologisch zu schildern wie der Wettkampf aus meiner Sicht ablief,es muss allerdings nicht den Tatsachen entsprechen da man als müder Athlet schon mal Täuschungen unterworfen ist.
Anmeldung und einchecken am Donnerstagmorgen  verläuft alles normal, ich gebe meinem Team die letzten Infos bezüglich Kleider, Material usw. Das einzig störende ist die Hitze und ich achte darauf genügend zu trinken. Um 11.30 radle ich zur Jugendherberge gleich neben dem Start wo ich ein Zimmer fürs Team für 4 Tage reserviert habe um mich hinzulegen. Um 12.30 ist eigentlich Pasta in der IWC Arena angesagt, da ich aber Sonias köstlichen Reiskuchen entdecke entschliesse ich mich statt Pasta den Reiskuchen im Bett zu Essen damit ich noch besser entspannen kann. Eine Stunde vor dem Prolog mache ich mich bereit und los gehts, mit dem Prolog bin ich sehr zufrieden auf dem 11ten Platz im vorderen Mittelfeld gibt mir ein gutes Gefühl Mithalten zu können. Um 17.30 gibt es noch einmal Pasta im Restaurant nebenan und dann heisst es gleich wieder hin legen bis zum Start um 00:40. Um 00:25 kommt Chili zu mir und erzählt er könne mein Hinterrad nicht aufpumpen, ich probier es selber tatsächlich nix geht, aber wozu hat man ein Ersatzhinterrad, wir montieren es und ich versuche zu schalten aber es schaltet nicht, verflucht was ist hier los !! Schnell das Bergvelo es ist schon 00:35, Licht montieren und ab zum Vorstart, Tracker fassen 00:38, an 30 wartenden Athleten vorbeidrängeln direkt aufs Podium mit dem Speaker ein zwei Sätze austauschen und los gehts.Trotz dem turbulenten Start versuche ich ruhig zu bleiben und meine Vorgabe max. HF 135 einzuhalten, das Team darf mich erst ab der Timestation in Frauenfeld begleiten, 2 KM vor Ankunft beginne ich zu funken dann meldet sich Rene sie seien mit dem Auto an der Timestation.  Dann kann ja nichts mehr schiefgehen, ich komme an aber wo ist mein Team ? Ich klicke den zweiten Streckenabschnitt in meinen Computer an und merke nach 300 Meter das ich die falsche Route angeklickt habe kann aber die richtige nicht finden, also wieder zurück zur TS und endlich finde ich mein Team. Im weiteren Verlauf beruhigt sich alles, ich fahre die ganze Zeit im Unterlenkergriff um so aerodynamisch wie möglich zu bleiben damit ich den Verlust des Triathlonvelos ausgleichen kann. Auf dem Rheindamm Richtung Bad Ragaz unterhalte ich mich längere Zeit mit einem Singelathleten aus Balzers irgendwann lasse ich Ihn ziehen damit ich meinem eigenen Rhythmus folgen kann.In Igis fahre ich an meinem Team vorbei, Claudio, Sonias Mann steht auch da und wir winken uns zu, kurz darauf folgt der Funkspruch dass sie versuchen einen Mechaniker aufzutreiben um das Triathlonvelo zu reparieren, ich denke Sorry Sorry Claudio für deinen ganzen Aufwand und das Morgens um 06.00. Nach der TS in Chur gehts Richtung Disentis und blicke auf eine graue Wand, Regen setzt ein und ich denke es fängt noch früher an als angesagt, hinein geht es in die ersten Steigungen meine Beine fühlen sich immer noch gut an auch wenn ich gefühlt letzter bin da mich soviele Athleten überholt haben, aber dass ist ja meine Taktik langsam beginnen nur ja nicht verheizen. Meine Marschtabelle basiert auf den Kontrollschlusszeiten der Timestations, ich versuche zirka 2 Stunden Vorsprung zu haben. Meine Wetterkleidung funktioniert tip top, Neoprensocken, Neoprenfüsslinge und meine Regenjacke lassen nichts durch, mein Veloschutzblech ist auch ganz schön nützlich und die Temperaturen sind noch relativ warm. Den Oberalppass klettere ich noch relativ locker hoch, am Begleitauto hängt das reparierte Triathlonrad dran (Danke Claudio!!) langsam wird es kühler trotzdem entscheide ich mich auf der Passhöhe direkt weiterzufahren um keine Zeit zu verlieren. Unten in Andermatt bin ich froh wieder geradeaus fahren zu können um aufzuwärmen. Leider wird die Anfahrt zum Furkapass ziemlich streng da starker Gegenwind herrscht, so ein Mist auch den Pass hoch spüre ich den Wind und ich merke wie ich langsam müder werde . Wann schluckte ich mein letzte Gel ? Ich vergesse es immer na dann halt noch eines rein. Auf dem Furkapass werden von meinen Team Beinlinge und eine zusätzliche Jacke montiert, Sie versuchen mir zu helfen wo es nur geht was brauchst Du noch ? und feuern mich ständig an. Die Abfahrt vom Furka ist richtig gemütlich nicht wie bei der letzten Tortour und mit Schwung geht es in den Aufstieg zum Grimsel, mein Team fährt voraus um sich auf dem Grimselhospiz mit 10 Sfr Spagetti zu verköstigen, ich beneide Sie überhaupt nicht den mein  Hunger ist vor Anstrengung wie weggeblasen und versuche mit Gels und viel trinken meine Kohlenhydrataufnahme aufrecht zu erhalten. Erleichtert sehe ich ziemlich erschöpft das Grimselpassschild kann mich aber die 5 Minuten runter zum Hospiz erstaunlich schnell erholen, um die steile 500 Meter lange Pflasterstrasse  zum Restaurant hoch in Angriff zu nehmen (davor hatte ich ziemlich Respekt).
Im Hospiz entscheiden wir uns ins Restaurant zu gehen um mich umzuziehen da mir Chili erzählt ich hätte genügend Vorsprung vor den TS Kontrollschlusszeiten. Langsam kommt mein Hunger zurück und ich esse auch noch einen Teller Spagetti. Warm eingepackt genieße ich mit vollem Bauch die lange Abfahrt vom Grimsel, nach Innertkirchen folgt noch ein 200 Hm langer Gegenanstieg die Aareschlucht hoch, mein Team wartet oben, ich beginne zu schwitzen und fluche als auch noch die Sonne rauskommt denn ich bin immer noch dick eingepackt !! Fast schon dehydriert entblättert mich mein Team und weiter geht es Richtung Interlaken. Meine schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sich für diese Etappe "Gegenwind" Mein Puls kommt nicht mehr richtig hoch, aber meine Beine fühlen sich gut an und fahre in einem lockeren Rhythmus nach Interlaken. 5 Minuten vor der Timestation fängt es stark an zu regnen und bei der Timestation führt mich Rene unter ein Dach während Sonia die gewünschten Regenklamotten aus dem Auto holt, aber wir haben ja genügend Zeit. Sonia verabschiedet sich von mir denn von nun an übernimmt Milena die mit dem Zug nach Interlaken gefahren ist. Wegen dem Regen biege ich das erste mal in eine falsche Straße ab da ich auf dem Velocomputer fast nichts erkenne, es herrscht weiter Gegenwind und die leicht ansteigende Straße Richtung Jaunpass ist stark befahren, alles in allem der ungemütlichste Streckenabschnitt der Tour. Vor dem Jaunpass reicht mir mein Team Früchtebrot was eine willkommene Abwechslung zu den Gels bietet, leider ist der Regenerationsdrink mit zuviel Wasser angerührt und ich kriege ihn nicht runter, Wasser von oben, Wasser von der Straße, Wasser im Maltodextrin ich kann kein Wasser mehr trinken !! Dafür überhole ich 3 Fahrer von 4er Teams den Pass hoch, bin ich so schnell oder die anderen so langsam ? Gegen Sonnenuntergang wird es merklich kühler und meine seit Stunden feuchten Knie beginnen zu schmerzen, auf der Abfahrt Richtung Bulle ertappe ich mich dabei wie ich versuche langsamer zu kurbeln um dem Schmerz aus dem Weg zu gehen. Das darf nicht sein !! Zum Glück hat Milena Massageöl und wärmende Salbe mitgenommen, Sie massiert meine Knie und Beine und ich lasse mir viel Zeit den wir haben ja einen großen Vorsprung auf die Kontrollschlusszeiten der Timestations. Von Bulle geht es über den Col de Mosses nach Aigle den einzigen Streckenabschnitt den ich nicht kenne, das Gefühl ist Super meine Beine sehr gut, habe überhaupt keine Schläfrigkeit trotzdem fahre ich sehr langsam um mich zu schonen denn ich habe ja viel Vorsprung auf die Kontrollschlusszeiten. Die Abfahrt vom Col de Mosses macht viel Spaß und durch die Super Beleuchtung des Begleitautos kann ich es richtig Brettern lassen. In Aigle wechsle ich auf der flachen Strecke nach Morges auf das Triathlonrad, diesen Streckenabschnitt fahren die Teams gemeinsam und sie zischen nur so an mir vorbei, auf einmal zischt es laut aus meinem Hinterrad !! Ich verfluche mein Triathlonrad und wechsle wieder auf das Bergvelo da wir die Colli-Reifen nicht reparieren können. An der Timestation in Morges frage ich Chili ob er mir die Lenkerhörnchen montieren kann, da mir langsam die Arme vom Unterlenkergriff schmerzen, in der Zeit setzte ich mich für ein paar Minuten auf die Toilette. Danach kommt Thomas zu mir und erklärt das wir nur noch wenn überhaupt einen kleinen Vorsprung auf die Kontrollschlusszeiten haben, ich falle aus allen Wolken, aber ich dachte wir haben soviel Vorsprung !! Jetzt aber schnell aufs Velo und Stoff geben ! Was würde ich mich ärgern wegen so einem Missverständnis die Kontrollschlusszeit zu verpassen obwohl ich mich so fit fühle. Ich gebe Gas und gehe das Risiko ein womöglich später einzubrechen, trotzdem muss ich auf der Abfahrt Richtung Yverdon langsamer fahren da die vielen Flickstellen hin und her zu springen beginnen meine Augen machen nicht mehr mit, nach einem Coffeinshot wird es danach wieder besser. 5 Minuten bevor die Timestation in Yverdon schließt erreiche ich die TS. Schnell Unterschreiben und weiter gehts ich fahre weiter Vollgas und versuche wieder einen Vorsprung herauszufahren, mein Puls klettert nicht mehr über HF 120 trotzdem habe ich starke Beine gehe oft aus dem Sattel. Ich überhole die 107 ein weiterer Single Fahrer und er versucht mir zu folgen ich drücke weiter auf das Gaspedal und kann Ihn abschütteln. Es regnet wieder stark und wird kühl trotzdem fahre ich bis Le Locle ohne Unterbruch durch um noch mehr Vorsprung herauszufahren. In Le Locle kommt Milena und erzählt dass ich eine halbe Stunde Vorsprung herausgefahren habe, außerdem kommt Happe Narr der Rennleiter murmelt was von "än zäche siech  mit so wenig Kleidig i de chälti velofahre" und erklärt außerdem dass Sie den Timestationöffnungszeiten eine Stunde zusätzlich geben aufgrund des schlechten Wetters. Eineinhalbstunden Vorsprung "halleluja" trotzdem möchte ich es natürlich in der offiziellen Zeit schaffen, unterdessen ziehen meine vier Teamhelfer an mir rum um trockene Klamotten zu montieren irgendwann kommt ein fertig, ich schaue runter und bekomme einen Lachanfall, alles sitzt perfekt nur die Träger der Velohosen hängen immer noch runter, also alles nocheinmal von vorne. Weiter geht es durch La Chaux-de-Fonds danach eine Steigung hoch als ich über ein Bahngleis fahre passiert es, mein Vorderrad rutscht weg und ich falle auf meine rechte Hand, beim Velo streift irgendwas und ich bin froh als ich das wartende Betreuerauto erreiche. Rene schaut mich an und fragt was ist mit deiner Jacke ? Ich bin gestürzt und jetzt streift was am Velo könnt Ihr mal schauen ? Danach streife ich meinen rechten Handschuh ab sehe meinen S-förmigen gebogenen kleinen Finger und ab geht der Kreislauf. Im Auto liegend bindet Milena meine zwei äußeren Finger zusammen, danach fahre ich vorsichtig weiter der Kreislauf ist wieder stabil aber ich benötige sicher 1 Stunde um wieder in meinen Rhythmus zu kommen. Am meisten machen mir die Erschütterungen bei schneller Fahrt zu schaffen und öfters nehme ich meine rechte Hand vom Lenker wenns schüttelt. Trotzdem erreichte ich die TS in Reconvillier noch rechzeitig und weiter gehts Richtung Balsthal, irgendwann läuft mir jemand winkend entgegen bis ich realisiere das ist doch Teodora und dann kommt die ganze Gruppe in Sicht, Sonia, Kilian, Arianne, Michele, Peter und eine große Fahne mit meinem Namen. Ich freue mich riesig und sie begleiten mich auch den Passwangpass hoch, das alles ist sehr motivierend. Michele kommt sogar bis Pratteln mit, nur die steile Abfahrt runter nach Pratteln ist Mist denn es holpert ganz schön und meine Hand schmerzt dementsprechend. Trotzdem nehme ich kein Schmerzmittel denn ich möchte spüren was mit meiner Hand los ist. Mit dem nahenden Ziel vor Augen trete ich kräftig in die Pedalen und erreiche auch bald Glattfelden. Ab dort haben wir sogar Töffbegleitung und 20 Kilometer vor Dem Ziel kommt noch Cristian in Begleitung von Arianne, Kilian und Milena. In mir breitet sich eine große Zufriedenheit aus in der Gewissheit alles richtig gemacht zu haben, die letzten 9 Monate habe ich für dieses Projekt gelebt und vieles anderes vernachlässigt und an den Reaktionen merke ich das es für viele eine unvorstellbare Leistung ist und darum bin ich auch ein bisschen stolz drauf.
Renndistanz: 1007 Km  Höhenmeter zirka 13000  Kat. Solo 29 Teilnehmer gestartet, 10 angekommen, ich als 8ter.
Zum Schluss noch ein paar Statistiken vom 1. Dezember 2014 bis vor dem Start: Insgesamt bin ich 700 Stunden im Sattel gesessen dazu kommen noch 100 Stunden mit Krafttraining und Schwimmen dazu.
178 Veloausfahrten mit einer durchschnittlichen Länge von zirka 3Std 45 Minuten unternahm ich. Total radelte ich 15062 km Distanz und 152904 Hm ab. Zu 79 % trainierte ich im GA1 Bereich (bis max. HF 120).
Zu 19 % im GA2 Bereich (HF 120-135). Dle letzten 2 % im Entwicklungsbereich (HF 135 und höher. Erstaunlich finde ich meine Herzfrequenz wenn ich müde bin z.b. die zweitletzte Etappe von Pratteln nach Glattfelden ich fuhr einen 27er Schnitt mit einer Durchschnittsherzfrequenz von 103.
Bitte verzeiht meine Fehler im Text ich habe alles in der Nacht geschrieben weil ich nicht schlafen konnte, und alles mit der linken Hand im Adlersystem getippt da meinr rechte Hand bis zum Ellbogen eingegipst ist. Am Freitag wird der Finger operiert da sich der Knochen verschoben hat.




 

18.08.2015