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Tour Divide Teil 2

Tag 8: Leider weckte mich ein kurzer Regenschauer eine halbe Stunde vor meiner geplanten aufwachzeit so fuhr ich um 04.00 los, es herrschte immer noch Rückenwind und so trat ich voll in die Pedalen. Ich kam den ganzen Tag gut voran und erreichte um 20.00  die Togwotee Mountain Lodge. Da ich mich noch frisch fühlte entschied ich mich trotz starken Regen der vor ein paar Stunden eingesetzt hatte den nächsten Pass in Angriff zu nehmen. Bis zur Passhöhe war alles Asphalt und ich war relativ schnell oben. Mein Ziel war die Lava Mountain Lodge die ich nach meinen Berechnungen gegen 23.00 erreichen sollte und dort hoffentlich noch ein Zimmer kriegen würde. Auf der Passhöhe bog die Route  auf einmal auf einen singletrail ab der noch weiter hoch ging, mit dem hatte ich nicht gerechnet, es regnete wie verrückt und ich spürte schon die ersten Schneeflocken, ich sah fast nichts, Eis, Schlamm, Wasser, Schnee und so schob ich mein Rad gefühlt ein paar Stunden ohne zu wissen wo ich war, ich konnte nur meiner roten Linie folgen und durfte sie ja nicht verlieren. Um 01.30 Uhr erreichte ich die Lava Mountain Lodge, natürlich war alles geschlossen und so legte ich mich einfach vor das Haus um vor dem Regen geschützt zu sein, ich kann euch sagen es war relativ kalt !! (Arthur hat mir 3 Tage später erzählt dass er sich in der Togwotee Mountain Lodge ein Cabin nahm und mir zugeschaut hat wie ich den Pass bei dem Wetter in Angriff nahm und mich dafür bewundert hat)

Tag 9: Kaum hatte ich meine Sachen zusammengerollt  kam der Besitzer und fragte mich ob ich hier übernachtet habe, ich bejahte und entschuldigte mich dafür, seine Antwort lautete, kostet 18.- Dollar soviel wie der Campingplatz hinter dem Haus den ich gar nicht gesehen hatte. Dafür durfte ich die Toilette benutzen und konnte noch einen Kaffee trinken. Heute stand der Unionpass auf dem Programm, nach einer kleinen Abfahrt bogen es auf einen Feldweg ab der mich hoch führte und bald einmal stand ich vor einer Strassenbaustelle. Der Weg war auf 4km Länge von einem Bagger aufgerissen worden, der jetzt durch den vielen Regen nur noch aus Schlamm bestand !! Fahren unmöglich, so schob ich mein Rad, aber auch das funktionierte nicht mehr da die Räder durch den Schlamm nicht mehr drehten, meine Taktik war dann folgende, Velo 10 m vorwärtschieben bis das Rad blockiert, dann 1m zurückschieben um den Schlamm abzustreifen wieder vor usw.
Nach 2 Stunden war diese Tortour beendet, in einem Bach wusch ich mein Velo und mich selber und weiter ging es die Höhe bis die ersten Schneefelder auftauchten, dann war wieder Schieben angesagt (4 Stunden), bis ich auf der anderen Seite wieder runter fahren konnte. Um 20.00 erreichte ich Pindale und entschied nach den letzten zwei harten Tagen ein Zimmer zu nehmen.  Heute hatte ich nur 140km zurückgelegt, kein Wunder nach diesem Pass !! Im Durchschnitt bin ich sonst 235 km täglich gefahren.

Tag 10: Trotz relativ langem Schlaf kam ich morgens nicht so in die Gänge, nachdem in der ersten Woche mein Vorderrad Probleme machte begann jetzt mein Hinterrad Luft zu verlieren und so pumpte ich alle 3 Stunden mein Reifen auf. Als ich wieder einmal am pumpen war tauchte plötzlich ein bekanntes Gesicht auf," Jay Petervary" ein Idol für die meisten Biker in den USA, Profi, wurde 2015 zweiter mit 20 Minuten Rückstand auf den Sieger, dies war seine 7te Teilnahme am Divide und ich war vor Ihm !! Bin ich gut !! Nachdem er mir beim Mittagsstopp in Atlantic City erzählte das er 2 Tage nach uns gestartet ist relativierte sich meine Begeisterung wieder. Ausserdem brauchte es jetzt volle Konzentration für den Nachmittag den uns stand das Great Basin bevor !! Eine Hochebene bekannt für seine Hitze,160km lang ohne die Möglichkeit irgendwo Wasser zu bekommen. Ich hatte 6 Liter dabei dass musste reichen !! Zum Glück war Rückenwind, hochmotiviert da ich mich sehr gut fühlte legte ich diese Strecke in 8 Stunden zurück 45 Minuten schneller als Jay Petervary (Jay ist in der ersten Woche schneller als der Sieger gefahren, er ist so schnell weil er extrem wenig schläft), und komme um 22.30 in Wamsutter einer Autobahnraststätte an. Da der Akku meiner Lampe fast leer war suchte ich ein Motelzimmer auf um ihn aufzuladen.

Tag 11: Zusammen mit Jay fuhr ich Frühmorgens los, wir hatten ein ähnliches Tempo und unterhielten uns den halben Tag. Leider machte meine Hinterradbremse Probleme, die Kolben  machten nicht mehr richtig auf und so drehte das Hinterrad maximal noch 2 Umdrehungen bis es stehen blieb. Kein Wunder bei den Verhältnissen wahrscheinlich ist Dreck reingekommen. Ich hoffte das ich es heute bis Steamboat Springs vor 18.00 schaffe (Mechaniker) merkte aber bald das dies ein unrealistisches Ziel war. Jay erzählte was von einer Lodge und fuhr mir davon da ich wieder einmal am pumpen war. Die letzten 2 Tage hatte sich das Wetter stabilisiert und heute war es richtig heiss 34 Grad, schon extrem wie sich die Temperaturen ändern. Ich fuhr seit 2 Stunden den Berg hoch und plötzlich wurde ich laut mit Musik und Bernie Bernie rufen empfangen, ach dies ist die berühmte Brush Mountain Lodge wo jeder Dividler vorbeischaut und bewirtet und gepflegt wird, dann bin ich ja schon in Colorado angekommen !! Ich wurde auf ein Sofa geführt und gefragt was ich für Salben, Medis usw. brauche, meine Antwort "nichts mir tut nichts weh" verblüffte sie ziemlich. ich wurde mit Pizza gefüttert und jeder Wunsch wurde mir von den Lippen gelesen. Irgendwann bemerkte ich einen riesigen Velowerkzeugkoffer und und fragte ob ich den gebrauchen kann. Ja Natürlich antwortet mir Paul der Besitzer ich kann dir bei Reparaturen auch helfen da ich gelernter Velomechaniker bin. So reparierten wir gemeinsam (ich 5% Paul 95%) mein Velo, Bremsen, Reifen und sonst noch ein paar Kleinigkeiten. Ein riesen Zufall sparte mir einen halben Tag Verspätung, den Paul ist Mechaniker von einem Race Across Amerika Team, dieser Wettkampf fand gleichzeitig statt. Leider (zum Glück) ist dem Fahrer der Vorderreifen geplatzt und im Spital gelandet, so entschied das Team noch ein paar Tage in der Brush Mountain Lodge zu verbringen die mitten in der Wildnis liegt. Gut gelaunt und genährt pedalte ich danach den  Pass hoch und erreichte um 21.30 in Steamboat Springs.

Tag 12: Auf Colorado freute ich mich, anscheinend sind hier die besten Strassen  die höchsten Berge die Anstiege relativ steil, was mir aber liegt da ich im Vergleich mit den anderen sehr gut den Berg hochkam. Ausserdem fühlte ich mich Super und konnte ein gutes Tempo fahren. Nachmittags wurde mir plötzlich das Wasser knapp (Nähe Kremmling) da ich plötzlich in ein ungewöhnlich trockenes Tal geführt wurde, ich merkte das ich nun umdenken muss, das Klima hat sich geändert !! Die Nächte und Morgenstunden sind sehr kalt, manchmal minus und am Nachmittag können es 35 Grad sein. Zum Glück kam irgendwann ein trüber Fluss, aber dank meinem Wasserfilter war das kein Problem. Am späten Nachmittag wurde die Gegend immer touristischer, auch verständlich mit dem wunderschönen Dillon Reservoir Stausee und den Wäldern ringsherum. Ich beschloss noch bis Breckenridge zu radeln das kurz vor dem hohen Boreaspass liegt und übernachtete dort in einem Bushaltestellehäuschen auf einer Bank.

Tag 13: Obwohl der Boreaspass 3500 m hoch ist hatte ich keinerlei Probleme mit meiner Atmung und fühlte mich sehr fit, ich war wirklich zu 100% akklimatisiert an die Höhe. Beim runterfahren bog ich auf einen wunderschönen singletrail ab wo ich leider meine dünne Jacke an einem Ast aufriss. Wenig später stellte ich fest das ich meine teure warme Daunenjacke in der Bushaltestelle vergessen hatte, in der Dunkelheit ist sowas schnell passiert, somit besass ich nur noch eine Regenjacke die mich richtig vor Nässe und ein wenig Kälte schützte. Gegen 11.00 traf ich in Hartsel ein um ein spätes reichhaltiges Frühstück einzunehmen, ich sass am Tisch mit anderen Divide Fahrern die von süd nach nord radeln und 3 Monate Zeit haben und bekam viele Infos über das noch kommende. In den nächsten Tagen begegneten mir noch viele andere Backpacker die richtung Nord fuhren, und da ich seit Tag 12 alleine unterwegs war was sich bis zum Schluss nicht mehr änderte, war es immer eine willkommene Abwechslung ein wenig small talk zu halten. Am Nachmittag fuhr ich noch über den Marschall Pass und sah immer die Spuren von Jays Reifen er lag zirka 3 Stunden vor mir. Um 21.30 traf ich in Sargents ein wo ich im Tomichi Trade Center ein Cabin zum Sonderpreis für Dividler für 20.- Dollar bekam.

 

09.06.2017 bis 28.06.2017